Donnerstag, 17. August 2017

Nachschau 4.8. 2017                                Jürgen Staas

Thema war die Fortsetzung der Diskussion über Heiner Geisslers kirchenkritische Schrift „Kann man noch Christ sein, wenn man an Gott zweifeln muss?“  Zufällig ergab es sich, dass am selben Freitagabend das „Philosophische Radio“ auf WDR 5, Leitung Jürgen Wiebecke, die Frage nach der Existenz Gottes zum Thema hatte. Es wurde beschlossen, da hineinzuhören.  Eine gute halbe Stunde genügte,  um einen Eindruck zu gewinnen. Eingeladen war, wie üblich, ein Hochschullehrer, hier der Philosoph Guido Kreis.  Es wurde bald klar, dass die Sendung im wesentlichen die traditionellen Vorstellungen vom „Gott der Philosophen“ zum Gegenstand hatte, mit allen Überlegungen zum Problem der Möglichkeit oder Unmöglichkeit von Gottesbeweisen.  Klassisch ist darunter der sog. Ontologische Gottesbeweis des Anselm von Canterbury: Wenn Gott vollkommen ist, dann schließt seine Vollkommenheit die Existenz mit ein.  Der anwesende Philosoph betonte immer wieder die inhärente Widersprüchlichkeit der ganzen Problematik. Besonders deutlich wird sie am paradoxen Beispiel vom schweren Stein. Wenn Gott allmächtig ist, müsste er in der Lage sein, einen Stein zu schaffen, der so schwer ist, dass Gott selbst ihn nicht tragen kann. Kann er ihn aber nicht tragen, ist er nicht allmächtig!.  Es ist klar, dass solcherlei Sophistereien und Verabsolutierungen wenig hilfreich sind. Es wäre anzumerken, dass Kant, der „Zertrümmerer“,  ein für alle Mal mit den Gottesbeweisen  aufgeräumt hat.  -  Wir kamen dann zu H. Geisslers Frage zurück. Sein Problem ist die Verzweiflung am überkommenen christlichen, theistischen Gottesbild.  Es postuliert ja auch einen ewigen, allmächtigen, allwissenden, gütigen und barmherzigen Gott. Angesichts der Katastrophen und des Leidens ergibt sich daraus das uralte Problem der „Theodizee“, d.h. der Rechtfertigung Gottes.  Es verwundert, dass der umfassend gebildete,  kritisch denkende ehemalige Jesuitenschüler Geissler  anscheinend noch immer diesem alten Gottesbild so verhaftet ist, dass er daran verzweifeln muss.  Es gibt inzwischen ganz andere Vorstellungen, etwa die eines Eugen Drewermann, der Gott vom Menschen her denkt und von Bewegungen, Veränderungen, Beziehungen spricht.  Verwiesen wurde im Gespräch auch auf die Vorstellung aus dem Johannesevangelium, wonach Gott Geist sei, der „im Geist und in der Wahrheit“  anzubeten sei, ein Gottesbegriff, der  dem heutigen Diskurs von der Spiritualität nahe kommt.  Ins Gespräch kamen auch  mehr ästhetische Erwägungen, etwa von der Schönheit der Schöpfung, die aber von dem existentiellen Anliegen eher wegführten. -  Was wäre Geissler zu antworten, der an Gott verzweifelt, aber anscheinend an den Lehren und dem Beispiel des Jesus von Nazareth festhalten möchte?  Ja, es käme darauf an, der jesuanischen Ethik zu folgen,  etwa nach dem Beispiel eines Albert Schweitzer.  Wie es gelingen kann, dass der umfassend  bedingte Mensch überhaupt in die Lage versetzt wird, sich vom dem guten Geist berühren zu lassen, ist eine andere Frage.  -  Gegenstand der nächsten Sitzung  am 1. September wird das Buch von Armin Risi  „Der radikale Mittelweg“sein. 
                                                                                                                   

Vorschau 1.9.2017: Armin Risi - "Der radikale Mittelweg"
                                                                                   
 Peter Bayreuther:
Vor etwa 4 Jahren fand ich im Yoga Vidya Bücherladen in Bad Meinberg das Buch von Armin Risi „Gott und die Götter“. Seitdem bin ich begeistert von diesem Autor, habe alle seine Bücher gelesen und alle seine Videos auf youtube gesehen und habe auch vor einem Jahr ein ganztätiges Seminar bei ihm mitgemacht und mit ihm persönliche Gespräche geführt.
Für mich ist Armin Risi (geb. 1963) ein intellektuelles Genie und einer der wichtigsten  spirituellen Philosophen der Gegenwart.
Er lebte 18 Jahre in vedischen Klöstern und sein Werk ist in der Tradition der indischen Bhakti-Philosphie, für die die Liebe zu Gott als Individuum das allerwichtigste ist – Gott als das göttliche Liebespaar Radha und Krishna, die in ewiger spiritueller Ekstase sich gegenseitig lieben.  
Nur ein Individuum kann ein anderes Individuum lieben, deshalb definiert Armin Risi diesen Begriff neu im wörtlichen Sinne als das Un- (In-) teilbare (dividuum)…
Das Mysterium ist, dass wir als Individuen auch gleichzeitig ein Teil des Indivuums Gott sind.
Er tritt ein für Theismus, als einen vernünftigen Gottglauben und versteht  Theismus in seiner Definition als radikalen Mittelweg zwischen Monotheismus und Atheismus.
Zum Einstieg kann ich natürlich das Buch empfehlen „Der radikale Mittelweg“ in der Neuauflage von 2016 im Koppverlag und das folgende recht aktuelle Video auf youtube:

(Oder, falls unzugänglich, auf YouTube Armin Risi, eingeben, "Der radikale Mittelweg" ) C.B.

Klappentexte und Inhaltsverzeichniss:
Was ist Monotheismus, was ist Theismus? Bisher wurde beides noch nie klar unterschieden, doch die Erklärungen des vorliegenden Buches zeigen, dass der Unterschied so gewaltig ist wie der zwischen Krieg und Frieden, Hass und Versöhnung, „Dunkelheit“ und „Licht“.

„Religion ist Illusion und eine Bedrohung für die Welt“, sagen heute viele atheistische Religionskritiker. – Doch der Atheismus ist nur die andere Seite des Monotheismus! Und viele Atheisten sind eigentlich keine Atheisten, sondern Amonotheisten.

Atheismus und Monotheismus prägen den Kurs der Menschheit seit über 2000 Jahren, und die Weltgeschichte zeigt, dass beide Seiten den Menschen weder Frieden noch wirkliche Vernunft gebracht haben. Armin Risi beleuchtet die philosophischen und praktischen Konsequenzen dieser Weltbilder und beschreibt den „radikalen Mittelweg“ des Theismus. Mittelweg bedeutet nicht Mittelmäßigkeit und Durchschnitt, auch nicht bloß Synthese der Gegensätze, sondern Überwindung der Gegensätze.

Dieses Buch ist ein revolutionäres Werk und zugleich ein spannendes Lehrbuch der spirituellen Philosophie: Wie erkenne ich Materialismus, Dualismus, Monismus? Wie unterscheidet sich theistische von atheistischer Esoterik? Was ist die spaltende Kraft, welches sind die beiden Seiten? Wohin führt der aktuelle Paradigmenwechsel?
Atheismus und Monotheismus sind die beiden Seiten der Spaltung, die das gegenwärtige Zeitalter seit mehr als 2000 Jahren prägt. Mit der heutigen Wendezeit soll diese Spaltung jedoch überwunden werden – durch ein „radikal“ neues Bewusstsein mit revolutionären Erkenntnissen: die geistige Herkunft der Menschheit, die Realität des multidimensionalen Kosmos, der spirituelle Hintergrund der Materie.

Armin Risi durchleuchtet die heute vorherrschenden Weltbilder in aller Konsequenz: Was ist der spaltende Geist? Wie wirken die beiden Seiten? Wie kann die Spaltung überwunden werden? „Der radikale Mittelweg“ des Theismus ist nicht einfach eine neue Theorie oder Theologie, sondern eine Rückbesinnung auf das Urwissen der Menschheit und den gemeinsamen Kern aller Religionen.

Zeitloses Wissen, neuste Erkenntnisse: Beides zusammen führt zum Bewusstseinswandel, der von den Mysterienschulen der alten Kulturen für die heutige Zeit vorausgesehen wurde. Das vorliegende Buch ist ein Manifest dieses Paradigmenwechsels.
Vorbemerkungen (1): Zur Bedeutung von „radikal“
Vorbemerkungen (2): Zur Kritik an den heutigen Religionen
Vorbemerkungen (3): Zur Form des Textes

1 Das Theistische Manifest
2 Was ist Monotheismus? Was ist Theismus?
3 Der Mittelweg als Ausweg
4 Differenzieren statt verabsolutieren
5 Religion und Wissenschaft
6 Jeder glaubt an etwas Absolutes
7 Was ist Realität?
8 Religion, Theologie und Philosophie
9 Theistische Theologie (1): Ganzheit, Einheit, Vielfalt
10 Theistische Theologie (2): Das Mysterium von Individualität und Liebe
11 Theistische Theologie (3): Die drei Gottesaspekte
12 Gut und Böse
13 Materialismus, Humanismus, Monismus
14 Konsequenzen des Atheismus
15 Dualismus: die Weltbilder des Monotheismus und der Gnosis
16 Konsequenzen des Monotheismus
17 Wie der Monotheismus entstand
18 Geschichte der theistischen Mysterienschulen
19 Das Credo der materialistischen Wissenschaft
20 Die Evolutionstheorie: eine materialistische Interpretation von Natur, Mensch und Bewusstsein
21 Die geistige Herkunft des Menschen
22 Philosophie des Geistes
23 Leben nach dem Tod
24 Schicksal und freier Wille
25 Unterscheiden, ohne zu urteilen
26 Selbsterkenntnis und innere Einweihung
27 Ethik und Moral
28 Die Moses-Gebote
29 Der theistische Kern des Judentums
30 Der theistische Kern des Christentums
31 Der theistische Kern des Islam
32 Vision, Vernetzung und die nächsten Schritte

Die Thesen des Theistischen Manifests können als PDF bei > kp.burghardt@t-online.de<
angefordert werden oder eine Kurzform unter https://www.sein.de/theismus-der-radikale-mittelweg/

Kommentare:

  1. "Es wurde bald klar, dass die Sendung im wesentlichen die traditionellen Vorstellungen vom „Gott der Philosophen“ zum Gegenstand hatte, mit allen Überlegungen zum Problem der Möglichkeit oder Unmöglichkeit von Gottesbeweisen."

    Dazu:

    Warum wollen wir Gott mit der Logik erklären
    Ob der einzelne Schluß uns auch glücklich geriet
    Wenn das Sein? dort in jenseitig-mystischen Sphären
    Sich doch jeglicher menschlichen Logik entzieht ...

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  2. „Wir kamen dann zu H. Geisslers Frage zurück. Sein Problem ist die Verzweiflung am überkommenen christlichen, theistischen Gottesbild. Es postuliert ja auch einen ewigen, allmächtigen, allwissenden, gütigen und barmherzigen Gott. Angesichts der Katastrophen und des Leidens ergibt sich daraus das uralte Problem der „Theodizee“, d.h. der Rechtfertigung Gottes. Es verwundert, dass der umfassend gebildete, kritisch denkende ehemalige Jesuitenschüler Geissler anscheinend noch immer diesem alten Gottesbild so verhaftet ist, dass er daran verzweifeln muss. Es gibt inzwischen ganz andere Vorstellungen, etwa die eines Eugen Drewermann, der Gott vom Menschen her denkt und von Bewegungen, Veränderungen, Beziehungen spricht.“

    Es geht Geißler, wie mir scheint, nicht nur und nicht vorrangig darum, seine persönliche Betroffenheit darzustellen. Auf Seite 7 seines Buchs schreibt er: „Sondern ich schreibe über den christlichen, persönlichen Gott der Bibel und wie ihn sich die katholische und evangelische Kirche vorstellen ...“ und, so möchte ich hinzufügen - wie ihn sich demzufolge vermutlich Millionen von Menschen vorstellen - zu denen garantiert auch etliche „gebildete, kritisch denkende“ Zeitgenossen gehören.

    Daß es auch „ganz andere Vorstellungen“ gibt, löst meines Erachtens nicht die von Geißler aufgeworfenen Fragen hinsichtlich der von ihm angenommenen Verantwortung Gottes für das Übel in der Welt. Sollen wir unser Gottesbild ändern, modernisieren, dem Zeitgeist anpassen, um nicht an Gott verzweifeln zu müssen? Was würde dies über unseren Glauben aussagen - und was über Gott?

    Geißler kritisiert beide Parteien: Die christlichen Kirchen und jenen Gott, den sie den Menschen darbieten. Vom „uralte[n] Problem“ der Theodizee (Jürgen) spricht auch Geißler: „Für den heute lebenden, modernen Menschen ist der alte Hut aber ein neuer Hut. Er begegnet diesem Skandal h e u t e.“ (S. 9) Von daher sind Geißlers Anmerkungen hochaktuell.

    Jürgens Hinweis auf Drewermann zeigt eine neue Linie innerhalb der Kirchen auf. Geißler weist auf eine Gegenbewegung hin: „Inzwischen gibt es auch in den USA und Europa immer mehr Fundamentalisten. Und in den Kirchen genügend Piusbrüder, die die Aufklärung wieder rückgängig machen und das postfaktische Zeitalter einführen wollen.“ (S. 17)

    „Was wäre Geißler zu antworten ...?“ fragt Jürgen. Meine Frage: Was sagen w i r zu Geißlers Antworten auf die Probleme der heutigen Zeit, auf seine Forderungen an die christlichen Kirchen? „Die Kirchen müssten Widerstand leisten gegen die Mächtigen dieser Erde. In der Welt des Kapitalismus, der Investmentbanker, einer gigantischen Finanzindustrie mit ihren gesellschaftlichen Leitbildern Egoismus, Gier, Geiz, Erfolg, Dividende, Konsum, Rang und Titel ist Jesus eine totale Provokation und die Verkörperung von Menschlichkeit und Barmherzigkeit. Den Menschen zu helfen geht nur mit Streit, Auseinandersetzung, Kampf. (...)“

    Gilt dies nur für die Kirchen - oder für jeden von uns?

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  3. VERFÄLSCHUNG DES EVANGELIUMS DURCH DIE THEOLOGIE?

    „Ich habe mit den Jahren angefangen, an Gott zu zweifeln, habe nach der Wahrheit gesucht. Dabei ist mir meine religiöse Heimat immer mehr abhandengekommen. Aber ich kann sie behalten, weil ich die Verfälschung des Evangeliums durch die Theologie erkannt habe.“ (Geißler im ZEIT-Interview)

    In einem Vortrag in Osnabrück wies der Journalist Franz Alt auf - wie er sagte - bewußte Verfälschungen in der Bibel hin. Er bezieht sich dabei auf den Theologen Günther Schwarz.

    Laut Franz Alt war Jesus' Muttersprache Aramäisch. In der Bibel finden sich ihm zufolge bewußte Falschübersetzungen. Demnach war Judas z.B. mitnichten ein Verräter! Er hat Jesus nicht verraten, er hat ihn „übergeben“. Das war so abgesprochen, er hat Jesus' Auftrag erledigt. Judas war der Einzige aus Jerusalem, er kannte sich dort aus.

    „Gehe zu den Obersten und sage ihnen, wo ich bin. Ich gehe meinen Weg zu Ende.“

    „paradidonai“ wird lt. Alt 59 Mal mit „verraten“, in anderen Kontexten mit „übergeben“ übersetzt. Alt sieht darin eine bewußte Verfälschung - und die Basis für Antisemitismus und Massenmord.

    Geißler nennt andere Beispiele, so „Die Geschichte von Maria Magdalena“ (http://www.focus.de/politik/deutschland/mein-ostern-heiner-geissler-5-man-kann-nicht-warten-dass-eine-hoehere-instanz-ordnung-schafft_id_3786332.html).

    Wenn Alt und Geißler recht haben - wie verläßlich sind dann die Bibeltexte?

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