Donnerstag, 14. Februar 2013

Liebe Freunde des Dialogs !                                             (Text: Angela Muselmann-Bruhn)
Nach meiner Analyse des ersten Versuchs am Freitag den 1.2.2013 möchte ich gerne noch einmal Einfluss nehmen auf die Struktur und deshalb die Punkte nochmals auflisten mit meinen Gedanken dazu, es half mir zur inneren Klärung, vielleicht ist es auch für andere hilfreich.
Deshalb meine Überlegungen fürs nächtste Mal :
1) Ankommen
2) In die Stille, Entspannung, um eigene augenblickliche Befindlichkeit zu erspüren, „Selbst“- zugang eröffnen
3) persönliche Mitteilungsrunde mit Erzählstein
4) Rückerinnerungen an die grundsätzlich ergebnisoffenen Dialog- Regeln :
- Fasse dich kurz
- Sprich von Herzen
- Sprich deinen Beitrag verständlich für alle, an alle
- Frage nach, wenn du etwas nicht verstanden hast
5) Einführung zum Thema durch den, der es vorgeschlagen hat.
Was ist es, warum sein Herz an diesem Thema hängt ?
Welche wichtigen Erfahrungen oder Punkte möchte er gerne mit uns teilen oder an welchen, sich daraus ergebenden Fragestellungen arbeitet der Thema-vorschlagende ?
6) Stein kann von jedem ergriffen werden, der zum Thema etwas ungestört beitragen möchte, sobald er vom Vorredner wieder auf den Tisch gelegt wurde.
Er spricht von sich, seinem Blick auf das Thema und kann zur Begründung seiner Sichtweise Lebenserfahrungen nennen, Quellen zitieren, ect.. Wenn die Allgemeinheit einverstanden ist, auch Filmmaterial mit bringen, jedoch es widerspricht dem Prinzip „Fasse dich kurz !“ und bedarf der Zustimmung der Anderen, ob sie einem Mitglied der Gruppe soviel Zeit zur Darstellung und Untermauerung der eigenen persönlichen Meinung zu gestehen.
Es wäre schön und ausgeglichen, wenn jeder einmal den Stein, ohne erzwungene Reihenfolge, nehmen würde und vorbereitet oder auch spontan, seine Sicht aufs Thema formuliert, damit ein bunter Blumenstrauß von Sichtweisen entsteht. Dialog ist der erste Schritt im Forschungsprozess und reine Datensammlung ohne Kategorisierung.
 Es geht nicht um Zustimmung und Recht haben, sondern ums Zuhören.
Wenn jeder dran war, der etwas dazu sagen wollte
7) Einkehr in die Stille: Reflektieren…..
8) Wenn Zeit und gewollt : eine dritte Schluss- Runde ( Wertschöpfung), eventuell wieder nacheinander Stein weiterreichen, bei dem jeder sagen kann, wodurch er sich ergänzt, bestätigt gefühlt hat, oder ermuntert über seine bisherige Position noch einmal nach zu denken oder sich weiter zu informieren.
9) Termin und Thema fürs nächste Mal.






Nachlese Philosophenrunde vom 1. Febr. 2013                         (Text: Christian Brehmer)
Eigentlich sollte es ja ein Test sein, ein Test dessen, was wir uns beim letzen Mal vorgenommen hatten: zu führen einen Dialog nach den Prinzipien von David Bohm und nicht in eine Kontroverse abzugleiten. Denn in einem achtsamen geführten Dialog kann ein „Wir – Feld“ entstehen, das mehr ist als die Summe der Einzelteile und das Kreativität und Spontaneität fördert. Zu Beginn hatten wir wieder unsere Stille-Übung gemacht als Hinführung zur Sophia, zur Weisheit. Dann  hatten wir uns noch einmal die Zusammenfassung der Gesprächsregeln angehört. Die Diskussion aber, die dann folgte, war zwar lebendig wie immer, allein es gab auch Dispute, die durch Eingriff von außen bewusst gemacht werden mussten. Eigentlich hatten wir uns ja vorgenommen, uns selbst in hitzigen Debatten von innen her bewusst zu machen, was bei uns abläuft. Und dann erst zu sprechen. Achtsamkeit ist die Mutter der Weisheit.

Durch die wiederkehrend auf uns selbst gerichtete Achtsamkeit während unserer Diskussion, taucht neben dem Gegenstand der Diskussion eine weitere Dimension auf, die Dimension des inneren Wachstums. Das hatte sich als Thematik bei unserem vorletzten Treffen herausgebildet. Und das ist ungewöhnlich unter Philosophen, denn jetzt thematisieren wir zwei sich ergänzende Ebenen. Und damit können wir – vorausgesetzt wir lassen uns darauf ein – einen doppelten Gewinn mit nach Hause nehmen: einen informativen und einen des inneren Wachstums. Während der erstere oftmals schnell vergessen wird, hat inneres Wachstum seinen bleibenden Wert. Es wird durch Stille-Übungen, in denen wir uns immer wieder in die Achtsamkeit zurückholen, gefördert, und es bewährt sich im Alltag. Handeln mit Achtsamkeit ist Handeln mit Weisheit.
Und nun behaupte noch einmal jemand Philosophen wären lebensfremde Theoretiker!!

Als Einstieg in unser Thema „Dürfen wir Tiere essen“ befassten wir uns mit dem Dialog zwischen den Philosophen David Precht und Robert Spaemann, übertragen vom ZdF am 9.12.12. (s. ZdF Mediathek) „Millionen Tiere werden in Deutschland Jahr für Jahr geschlachtet oder für Tierversuche missbraucht. Millionenfaches Tierleid. Ist dieser Umgang mit Tieren gerechtfertigt? Lässt es sich moralisch vertreten?“ heißt es einleitend. „Ja“, meint Spaemann. „Aber Verzicht, wäre das Bessere, das moralisch Vollkommenere“. Hier begann die Auseinandersetzung zwischen den beiden professionellen Philosophen und anschließend zwischen den  praktischen Philosophen in unserer Runde.
Eine radikalere Position wurde eingeführt durch einen Video-Clip von Dr. med. Ernst Walter Henrich (www.ProVegan.info). Er vertritt eine strikt vegane Lebensweise und führt gesundheitliche, moralische und ökologische Gründe an: „Täglich sterben bis zu 43 000 Kinder an Hunger, während ca. 50% der weltweiten Getreideernte und 90 % der weltweiten Sojaernte an die „Nutztiere“ der Fleisch- und Milchindustrie verfüttert werden“. Lässt sich das wirklich moralisch vertreten? könnte man Spaemann fragen. Die Diskussion in unserer Runde war engagiert. Werbung wurde abgelehnt. Aber die mitgebrachten, veganen Mürbekekse, selbstgebacken ohne Milchprodukte sprachen für sich. –  Wie soll man sich verhalten als Vegetarier, wenn man eingeladen ist und Fleisch wird serviert, war eine andere Frage, um die es ging. Jedenfalls gab es viele Impulse zum Überdenken der eigenen Lebensweise. Und die abschließende Phase der Stille zum Reflektieren, Abstrahieren und (eventuell) Transzendieren war für einige zu kurz, für andere zu lang.

Vorschau 1. März 2013
Auf ein eingebrachtes Angebot hin haben wir uns auf das Thema „Hat der Mensch einen freien Willen?  Neueste Erkenntnisse der Hirnforschung“ geeinigt.
Das Paper, das wir für unsere Vorbereitung ausgeteilt haben, ist anspruchsvoll. Aber der Einstieg wird uns leicht fallen. Das Thema ist hochbrisant, weisen doch materiewissenschaftliche Befunde darauf hin, dass unsere Entscheidungsfreiheit nur ein subjektives Phänomen ist, in Wirklichkeit aber  durch Gehirnvorgänge vorherbestimmt. Wo bleibt da die menschliche Würde? Kann man dann überhaupt noch jemand für Fehlverhalten zur Rechenschaft ziehen? Diese Fragen und andere werden unsere Gemüter beim nächsten Mal beschäftigen.